Mein Papa macht was mit … LARP

LARP Uruk
Ein als Uruk verkleideter LARP-Spieler © Felix von der Osten

Orks, Ritter, Feen oder Aliens kennt man aus Comics, Büchern und Filmen. Viele tauchen gerne in diese Fantasiewelten ein. Aber was ist, wenn man mehr möchte? Wenn man selbst Teil der Geschichte sein will? Dann sucht man Gleichgesinnte, denkt sich eine gute Geschichte aus (oder denkt bereits bekannte Storys weiter), verkleidet sich und begibt sich gemeinsam in eine völlig andere und fantasievolle Welt. Um es kurz zu machen: man sucht sich eine LARP-Veranstaltung und nimmt daran teil, oder organisiert einfach selbst eine!

Genau das dachte sich auch Florian Becker. Flo ist 28 Jahre alt und Vater einer Tochter. Mehrmals im Jahr nimmt er an sogenannten LARP-Freizeiten teil, die schonmal bis zu 10 Tagen andauern können. Dabei schlüpft er unter anderem in die Rolle eines Ork-Hauptmanns und treibt die Geschichte mithilfe seines Alter Egos voran. Wie genau er dazu gekommen ist, was dieses Hobby für ihn ausmacht und einiges mehr, beantwortet er in unserem Interview.

Florian Becker LARP Ork

Florian Becker an seinem Schreibtisch – im Hintergrund ein Foto seines Spielcharakters © privat

Inhaltsverzeichnis

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Was ist LARP? | Das Interview | LARP-Fotos | weiterführende Informationen

Was ist LARP

Live Action Role Playing (LARP) oder Live-Rollenspiel bezeichnet ein Rollenspiel, bei dem die Spieler ihre Spielfigur auch physisch selbst darstellen. Es findet in der Regel ohne Zuschauer statt. Die Teilnehmenden können im Rahmen einer Rolle, die die eigene Figur und ihre Eigenschaften und Möglichkeiten beschreibt, frei improvisieren. Quelle: Wikipedia

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Ab nach Fantasy-Island – das Interview:

Wie lange betreibst du dieses Hobby schon, was reizt dich daran und wie bist du dazu gekommen?

2003 war ich auf meinem ersten LARP, als aktiven LARPer würde ich mich seit 2005 beschreiben. Seitdem – und das ist auch der Grund, der mich bis heute reizt – bin ich ehrenamtlicher Mitarbeiter bei einem Träger der Jugendarbeit, der LARP als Sommerfreizeit für Jugendliche anbietet. Mein erstes LARP habe ich dort damals als Teilnehmer mitgemacht.

Wie kann man sich eine typische LARP-Veranstaltung vorstellen? Es herrscht bestimmt eine eher familiäre Stimmung, oder?

Puh… Da kann ich ja nur für die eigenen LARPs sprechen. Ich denke, dass ich behaupten kann, dass sich die Leute auf unseren LARPs sehr wohl fühlen. Wir haben dort an 6 von 10 Tagen LARP-Phasen. Zwischen diesen Phasen ist es eher familiär. Wir sind mit maximal 40 Leuten unterwegs.

Während den LARP-Phasen reicht die Atmosphärenpalette von gesellig und lustig, über spannend und gefährlich, bis grausam und ICH-WILL-HIER-WEG!!! – wie ein guter Film!

Hast du beim Larpen einen festen Charakter, oder schlüpfst du in unterschiedliche Rollen?

Sowohl als auch, würde ich sagen. Als Veranstalter übernehme ich die Rolle der Spielleitung und der NSC. NSC sind NichtSpielerCharaktere – also Figuren, auf die unsere Teilnehmer treffen. Da mime ich beispielsweise mal einen x-beliebigen Passanten oder einen Ork-Hauptmann, der durchaus über mehrere Jahre hinweg die Teilnehmer zur Verzweiflung bringen kann 🙂

Sind eigentlich alle Larper totale Nerds?

Das würde ich entschieden verneinen – wenn ich davon ausgehe, dass Nerds diese „Real-Live? – Never heard about that server..“, adipösen, sozial-inkompetenten Menschen sind – Was ich allerdings nicht tue…

Ich selber habe und hatte schon immer auch noch andere sehr nerdige Hobbys, würde mich aber niemals als totalen Nerd bezeichnen.

Auch da kann ich wieder nur von den eigenen LARPs sprechen. Wir können jedes Jahr wieder Leute für LARP begeistern, die sehr normal sind. Ich selber habe und hatte schon immer auch noch andere sehr nerdige Hobbys, würde mich aber niemals als totalen Nerd bezeichnen. Ein bisschen vielleicht?

Welche Voraussetzungen sollte man mitbringen, wenn man selbst larpen möchte?

Es wäre von Vorteil, wenn man sich in Verkleidung, oder beim Ausspielen einer anderen Rolle nicht völlig bescheuert vorkommt. Etwas Phantasie wäre auch nicht schlecht, da sich einige Sachen, wie zum Beispiel ein laufender, sprechender Baum, oder ein magischer Feuerball, ohne digitale Überarbeitung nur bedingt gut darstellen lassen. Insgesamt sollte man gewillt sein, sich aufs Rollenspielen einzulassen – denn es kann von außen betrachtet sehr „lustig“ wirken.

Du hast eine kleine Tochter. Was hält sie von deinem Hobby und hat sie dich schonmal begleitet oder in Aktion gesehen?

Leider nein. Ich habe eine 17 Monate alte Tochter, die ihre Meinung darüber zumindest noch nicht geäußert hat. Mit 3 Monaten haben wir einen Familienausflug zu einem Mittelaltermarkt in Hamburg gemacht. Dort hat sich die kleine relativ unbeeindruckt von der Umgebung, dem Pestumzug und ihrem geschmückten Kinderwagen gezeigt – sie hat geschlafen.

Was machst du, wenn du gerade nicht beim Larpen bist?

Nicht so viel… Ich bin Student der Sozialen Arbeit, arbeite als Keeper in einer Metal-Kneipe, als Türsteher für einen Sicherheitsdienst und als Koch in einem Restaurant, spiele Jugger und gehe ins Gym, spiele Pen N´ Paper seit bald 10 Jahren, setze mich in meiner Freizeit für asylsuchende Menschen ein, besuche bei Gelegenheit Konzerte, und vieles mehr.

Und was sagt eigentlich deine Frau zu dem Ganzen?

Ich glaube ihr gefällt das. Zu Mittelaltermärkten konnte ich sie jedenfalls auch schon verkleidet mitschleifen. Für richtige LARPs wird es wohl noch etwas dauern, aber ich bin zuversichtlich 😉

Was macht für dich einen richtig guten Männerabend aus?

Ein Raucherraum, gute Musik und Zeit.

Gibt es in deiner Gegend einen Ort, ein Restaurant oder eine Freizeitaktivität wo du bzw. zu der du gerne mit deiner Familie hingehst und unseren Lesern empfehlen kannst?

Meine Tochter ist eine kleine Plantsch-Prinzessin. Also prinzipiell überall, wo es Badewasser gibt – besonders jedoch der Senfsee (Senftenberger See).

Danke an Florian für die Beantwortung unserer Fragen und den netten und unkomplizierten Kontakt!

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So unterschiedlich können LARP-Charaktere sein:

Die folgenden Fotos stammen von Felix von der Osten und sind im Rahmen seiner Reihe Alter Ego entstanden. In diesem Buchprojekt beschäftigt sich der 1989 geborene und momentan in Köln lebende Dokumentarfotograf mit vielen unterschiedlichen LARP-Gruppen und zeigt die Szene und ihre Protagonisten in puren und sehr authentisch wirkenden Portraits.

Mehr von diesem und Felix‘ anderen Projekten, gibt es in seinem Portfolio zu sehen. Danke an Felix für die freundliche Erlaubnis zur Nutzung seiner Fotos!

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Du willst mehr wissen?

Wer jetzt auf den Geschmack gekommen ist und sich weiter über das Thema LARP informieren möchte, oder sogar selbst mal mitmachen will, sollte für den Anfang bei Florians Gruppe vorbeischauen. Dort gibt es neben Einsteigertipps auch einige Fotos und Videos zu sehen.

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Jetzt seid ihr gefragt: Was haltet ihr vom Larpen oder habt ihr vielleicht schonmal in Erwägung gezogen es selbst auszuprobieren? Habt ihr auch ungewöhnliche Berufe oder Hobbys über die wir schreiben sollten? Wir freuen uns auf eure Kommentare!

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